Pressemitteilung 29.11.2022

„Das Wichtigste ist Unbeschwertheit!“:

Sonderförderung der „Aktion Mensch“ ermöglicht Angebote für ukrainische Kinder und Jugendliche

Olpe, den 29. November 2022. – Im Oktober startete im CJD Olpe-Eichhagen ein Projekt für ukrainische Flüchtlingskinder: Dank eines Sonderfördertopfes der „Aktion Mensch“ wird im Jugenddorf mächtig getobt und geturnt – als Traumabewältigung, als Ablenkung, aber auch um in Deutschland leichter anzukommen.

Im Spätsommer sind in die Wohnhäuser, die das Christliche Jugenddorfwerk in Olpe-Eichhagen noch bis letztes Jahr als Internat für Auszubildende, Rehabilitanden und die Jugendhilfe genutzt hat, ukrainische Geflüchtete eingezogen. Darunter sind derzeit 20 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren. Manche der Gräuel, die die jungen Menschen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine erlebt haben, lassen sich vielleicht vorstellen – doch vieles bleibt zwischen Trauma und Sprachbarriere auch unausgesprochen.

Zwei Mitarbeiterinnen des CJD, Christina Arens, Sozialarbeiterin mit erlebnispädagogischer Zusatzausbildung, und Almut Daniel, Ergotherapeutin, haben ein Konzept entwickelt, um diese teils traumatisierten Kinder gezielt zu fördern. Ihr Angebot „I like to move it!“ konnte das Entscheidungsgremium der „Aktion Mensch“ überzeugen, das im Frühjahr über Sonderfördermittel speziell für ukrainische Kinder und Jugendliche verfügte.

Das Bewegungsangebot steht grundsätzlich allen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren aus der Ukraine offen, die im Kreis Olpe untergekommen sind. Zurzeit nutzen es vor allem die jungen Bewohner in Eichhagen und ebenso die Heranwachsenden aus den zentralen Flüchtlingsunterkünften Schwartmecke und Heggen.

Die Kids klettern an der Boulderwand, balancieren auf Stapelsteinen und Slacklines, sie schlagen auf den Boxsack ein – das alles dient nicht nur dem dringend notwendigen Austoben und als Antwort auf kindlichen Bewegungsdrang. Diese Aktivitäten haben fast immer auch eine befreiende Wirkung nach den Wochen und Monaten, die hinter ihnen liegen: Angst durch das Kriegsgeschehen, Angst auf der Flucht, Angst in einer fremden Umgebung, in der sie die Sprache noch nicht verstehen und die Sehnsucht nach Freundinnen, Freunden und nahen Verwandten groß ist.

Die Kids selbst können aus den gezielt geplanten Förderangeboten, die zu „I like to move it!“ gehören, selbst auswählen, dabei ist oft ihre Tagesform ausschlaggebend: „Worauf habt ihr heute Lust?“ ist eine Frage, die auch dann verständlich gemacht werden kann, wenn das Gegenüber noch gar nicht richtig Deutsch spricht. Wozu die vielen faszinierenden Kletter- und Turngeräte dienen, verstehen die Kinder schnell ganz von selbst. Vieles funktioniert durch Gesten und Vormachen der CJD-Mitarbeiterinnen. Selbst Yoga für die etwas älteren Kinder ist möglich – und dient ebenfalls der Traumabewältigung. Erlebnispädagogin Christina Arens erklärt: „Einige unserer Kinder und Jugendlichen haben durch ihre Erlebnisse einen gestörten Kontakt zum eigenen Körper. Es tut ihnen gut, durch Achtsamkeitstraining ihren Körper wieder bewusst wahrzunehmen und dabei zu spüren: Ich bin gesund. Ich habe die Kontrolle über meinen Körper. Ich bin in Sicherheit, es geht mir gut.“ Für diese Form der Körperarbeit ist zumindest ein rudimentäres Verständnis der gesprochenen Sprache notwendig – und das nehmen die ukrainische Kinder bei den Bewegungsangeboten nebenbei wie von selbst mit. Die regelmäßigen Termine helfen ihnen, nach und nach neue Vokabeln und Sätze zu lernen.

Christina Arens: „Das Wichtigste an unserem Projekt ist Unbeschwertheit, denn die ist den Kindern mit Fluchterfahrung oft abhandengekommen. Mitarbeiter aus den zentralen Unterkünften haben uns gegenüber beschrieben, dass die geflüchteten Menschen auf sie häufig resigniert, traumatisiert und hoffnungslos wirken. Wir können jedoch bisher sagen, dass die Kinder schon nach kurzer Zeit neugierig, motiviert und dankbar am Angebot teilnehmen. Damit die Kinder für eine Weile die Erinnerungen loslassen können, haben unsere Angebote einen starken Aufforderungscharakter, das bedeutet: Sie erklären sich oft von selbst, auch ohne Sprache, und sie machen sehr schnell Spaß.“

Die Sonderförderung der „Aktion Mensch“ läuft noch bis September 2023.

Pressekontakt:

Christina Arens (Sozialarbeiterin) / Almut Daniel (Ergotherapeutin)
CJD Olpe, Zum Vordamm 8, 57462 Olpe-Eichhagen
christina.arensnospam@cjd.de / almut.danielnospam@cjd.de , 02761 9643-62 oder 02761 9643-34

28.11.2022 Pressemitteilung

Rehabilitandin in Arbeit: 
Vermittlung des CJD Olpe erfolgreich

 

Olpe, den 28. November 2022. – Wenn Menschen mit besonderem Förderbedarf in Arbeit vermittelt werden, ist das immer eine Erfolgsgeschichte. Wie im Fall von Katja D.*, die nach zweijähriger Orientierungsphase ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt gefunden hat.

*Name aus Datenschutzgründen geändert.

Katja D. ist heute 23 Jahre alt und hat Anfang Oktober ihre Arbeit als Helferin in der Pflege und Hauswirtschaft im Richard-Winkel-Seniorenzentrum in Lennestadt aufgenommen. Das Besondere daran: Katja D. hat eine Behinderung. Nach ihrem Schulabschluss lag nicht auf der Hand, welche Stärken und Schwächen sie hat und in welchem Berufsfeld sie sich einmal wohlfühlen würde. Das galt es noch herauszufinden. Zu diesem Zweck startete sie 2020 ihre Teilnahme an der „Unterstützten Beschäftigung“ im CJD Olpe.

Die „Unterstützte Beschäftigung“ ist ein Angebot der Agentur für Arbeit für Menschen mit besonderem Förderbedarf. In Olpe beauftragt die Arbeitsagentur das Christliche Jugenddorfwerk, kurz CJD, mit der Durchführung dieser Maßnahme. Zunächst wurde gemeinsam mit Katja D. eine digitale Bewerbungsmappe mit allen Zeugnissen und einem aktuellen Lebenslauf erstellt. Danach stand eine Kompetenzanalyse auf dem Plan, in der Stärken und Schwächen ermittelt wurden. Das half der Teilnehmerin dabei, ihre persönlichen Ziele zu formulieren und eine Vorstellung von möglichen Berufsfeldern zu bekommen: „Handel“ und „Soziales“, diese beiden Felder entsprachen ihren Wünschen und Fähigkeiten.

Die Maßnahme soll möglichst bald praxisbezogen sein und schnell Erfahrungen in echten Betrieben vermitteln. Deshalb begann Katja D. schon kurz darauf ein dreiwöchiges Praktikum in der Blumenabteilung eines Supermarktes. Das klappte zunächst sehr gut, und so konnte die nächste Phase der Maßnahme beginnen: die betriebliche Qualifizierung, also Lernen mit Unterstützung durch das CJD-Team direkt am Arbeitsplatz. Regelmäßig einmal pro Woche fand ein Praxistag im CJD statt, an dem die Erfahrungen im Betrieb reflektiert wurden, Schulungen in Arbeitssicherheit und Unfallverhütung stattfanden, das Berichtsheft geführt wurde und vor allem der Austausch mit anderen Teilnehmern der „Unterstützten Beschäftigung“ im Vordergrund stand.

Nach einiger Zeit zeigte sich: Obwohl Katja D. die Tätigkeiten wie das Binden von Sträußen, die Herstellung von Gestecken und die Pflege der Pflanzen durchaus schätzte, war sie gegen Ende eines achtstündigen Arbeitstages übermäßig müde und unkonzentriert. Ein kompletter Arbeitstag überforderte die junge Frau, gleichzeitig sank die Motivation für das Berufsfeld Handel. Auch dafür ist die Phase der betrieblichen Qualifizierung vorgesehen: Ursprüngliche Vorstellungen an der Realität messen und Entscheidungen korrigieren ist nicht ungewöhnlich während der beruflichen Orientierung. Nach vier Monaten fand die Qualifizierungsphase im Blumenhandel ein Ende.

Katja D. wollte sich nun gern im sozialen Bereich ausprobieren und entschied sich für die Tätigkeit in einer Pflegeeinrichtung. Das Richard-Winkel-Seniorenzentrum in Lennestadt zeigte Interesse an ihrer Bewerbung und lud sie zu einem Vorstellungsgespräch ein. Im Vorstellungsgespräch bot die Einrichtung Katja D. an, ein Praktikum in den Bereichen Betreuung, Pflege und Hauswirtschaft zu absolvieren. Die tägliche Arbeitszeit wurde dank der jüngsten Erfahrungen im Handel auf sechs Stunden festgelegt. Der Qualifizierungstrainer erläuterte den möglichen Ablauf in der betrieblichen Erprobung und Qualifizierung und das Praktikum konnte zeitnah beginnen. Katja D. durfte sich in verschiedenen Bereichen erproben, dabei stand ihr stets eine betriebliche Patin unterstützend zur Seite. Nach drei Wochen stand fest, dass die Qualifizierung in der Pflege und Hauswirtschaft erfolgen sollte. Zu Katja D.s Aufgaben gehörten jetzt das Auswaschen von Schränken, das Wechseln der Bettwäsche, die Versorgung der Wohneinheiten mit Getränken, die Assistenz der Bewohner beim Waschen, Anziehen, Essen und Trinken. Schnell zeigte sich, dass Frau D. leicht mit den Senioren in Kontakt kam und ihr die Arbeit viel Freude bereitete. Ihre Motivation stabilisierte sich und sie blühte am Arbeitsplatz auf. Nach und nach konnte sie alle erforderlichen Aufgaben bewältigen. Die Einrichtung unterstützte Katja D. in dieser Zeit bestmöglich. Nach acht Monaten signalisierte das Richard-Winkel-Seniorenzentrum, dass man die junge Frau gerne einstellen wolle. 

Das CJD Olpe holte daraufhin alle relevanten Akteure an einen Tisch: Katja D. selbst, die Einrichtungs-und Pflegedienstleitung des Seniorenzentrums, den Qualifizierungstrainer aus den Reihen des CJD-Teams sowie je einen Vertreter des Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur sowie des Integrationsfachdienstes Olpe. Im Gespräch wurden der Arbeitsbeginn, Art und Umfang, Fördermöglichkeiten der Arbeitsagentur sowie die Begleitung durch den Integrationsfachdienst nach Arbeitsaufnahme besprochen.

Katja D.s Erfolgsgeschichte findet mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag ihren vorläufigen Höhepunkt: Seit dem 1. Oktober 2022 arbeitet sie an dem Ort, an dem sie ihre Fähigkeiten voll ausleben kann.

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